Gibt es Liebe auf den ersten Blick?
Spontan möchte ich dazu
sagen: JA, es gibt sie.
Ich erlebe immer wieder
bei neuen Patienten, die zu
mir in die Praxis kommen,
dass es darunter Menschen
gibt, zwischen denen und
mir es sofort „funkt“, wo die
„Chemie“ einfach stimmt
und gute Gespräche möglich
werden.
Umgekehrt passiert es mir
aber auch zuweilen, dass
ich gar keinen rechten Zugang
zu meinem Gegenüber bekomme,
obwohl ich guter Dinge bin, Lust aufs
Arbeiten habe und auch keine sonstigen
Störfaktoren da sind. Früher habe ich
dann immer gesagt: „Naja, man kann halt
nicht mir allen Menschen gleich gut“. Aber
warum ist das so?
Blockaden des Energiesystems
Seit ich gelernt habe, dass es im wesentlichen
vier verschiedene Charaktertypen
gibt, die mehr oder weniger gut miteinander
harmonieren, ist mein theoretisches
Verständnis für solche Phänomene besser
geworden. Den vollen Schlüssel zum Verständnis
habe ich aber erst bekommen,
seit ich mich mit den Blockaden des Energiesystems
durch seelische Konfl ikte beschäftige.
Dadurch habe ich nämlich am
eigenen Leib erfahren, wie tiefgreifend
mich meine eigenen seelischen Wunden
in Bezug auf den Umgang mit anderen
Menschen geprägt haben.
Salopp formuliert kann man sagen:
Erzähle mir, was Dich am meisten ärgert
und frustriert, und ich sage Dir, was für
ein Typ Du bist und mit wem Du auskommen
wirst und mit wem nicht. Der „Zentralkonflikt“ bestimmt unsere Charakterstruktur,
die Art, wie wir die Welt erleben,
unsere Reaktionsweisen, den Stoffwechsel
und körperliche Schwachpunkte.
Der Zentralkonflikt des „Schizoiden
– Melancholikers“ findet sich immer
im Becken oder im Oberkopf, der des
„Hysterikers- Sanguinikers“ immer im
Unterbauch oder in der Stirnregion, der
des „Zwanghaften-Phlegmatikers“ im
Bereich des Halses, und der des „Depressiven
– Cholerikers“ im Oberbauch. Im
Bereich des Herzens, also im Zentrum
eines Menschen, finden sich Anteile aller
vier Charakertypen wieder.
Der Melancholiker
Dieser Typ ist ein ernsthafter, strategischer
Planer, kopfgesteuert, jemand, der
lieber in der Natur als auf Parties ist. Er
ist verlässlich und drückt sich nicht um
Verantwortung. Solch ein Mensch kommt
gut klar mit anderen, die seiner Wesensart
entsprechen, wird sich bei der Partnersuche
jedoch zu weichen, gefühlsbetonten,
altruistischen Menschen hingezogen fühlen,
weil die das haben, was ihm fehlt:
Spontane Empathie und Herzenswärme.
Das kann er im glückhaften Fall von seiner
„besseren Hälfte“ lernen.
Der Charaktertyp, der am ehesten zum
Melancholiker passt, ist der „soziale Typ“,
den die alte Medizin den Choleriker
nannte. Dieser Mensch ist emotional geprägt
und oft von Hause aus warmherzig
und mitfühlend, etwas, was den eher kühlen
Melancholiker enorm attraktiert.
„Kopfgesteuerte“ gegen „Emotionale“
Noch viel mehr wird er vom extrem
emotionalen „Sanguiniker“ angezogen, jedoch
hat diese Paarung einige Tücken auf
lange Sicht, sobald die erotische Faszination
nicht mehr dominant im Vordergund
steht. Dann nämlich offenbart sich, dass
es dem einen um die Lust am Leben und
die Unverbindlichkeit geht, während der
andere auf „Sein oder Nicht- Sein“ ausgerichtet
ist – da prallen Welten aufeinander,
die nicht kompatibel sind – solche Paarungen
enden meist in Scheidung!
Etwas besser geht es, wenn zwei „Kopfgesteuerte“
zusammentreffen – der Melancholiker
und der Phlegmatiker. Dabei
wird die Partnerschaft zwar nicht vor Erotik
übersprühen, aber auf der Verstandesebene
werden sie sich gut verstehen. Es fehlt
jedoch das Emotionale, Gefühlvolle, was
auf Dauer in einer Partnerschaft elementar
wichtig ist.
Der sozial angepasste Typ ( Choleriker)
Diese Menschen wirken auf den ersten
Blick sehr lieb und sanft, sind eher zurückhaltend,
jedoch stets um das Wohl
der anderen bemüht. Sie freuen sich wie
ein Kind, wenn man sie beschenkt und
verwöhnt, anstatt sie wie ein Aschenputtel
zu behandeln, sondern sie schätzt und
achtet.
Sie sind die gute Ergänzung zum Melancholiker,
von dessen Unabhängigkeit
sie sich etwas abschauen können. Von ihm
können sie auch lernen, nein zu sagen und
Rückgrat zu entwickeln.Gerät ein „Choleriker“
an einen „Phlegmatiker“, ist dies
nicht glückhaft. Denn der eine mit seinem
lebhaften, auf soziales Miteinander
geeichten Gemüt wird den auf Gleichmass
bedachten Phlegmatiker regelmässig aus
der inneren Ruhe bringen – zuviel Umtrieb,
zuviel Unordnung... eine solche
Partnerschaft ist wie Feuer und Wasser.
Emotional intensiver geht es mit dem
Sanguiniker, allerdings läuft hier der Choleriker
Gefahr, ausgebeutet zu werden,
weil der Sanguiniker auf der Klaviatur der
Gefühle souverän zu spielen versteht, und
seinem weicheren und nachgiebigeren
Partner allzugern ein paar „Ringe durch
die Nase zieht“ – um für sich selbst ein
paar mehr Vorteile zu erlangen.
Zudem kann es geschehen, dass einer
solchen Paarung der „gesunde Menschenverstand“
fehlt, weil die Kommunikation
zu sehr gefühlsmässig geprägt ist und
zuwenig Ratio und Objektivität vorherrscht.
Der Sanguiniker
Dieser Charakter fällt auf, wenn er den
Raum betritt. Er oder sie kann sehr charmant,
gewinnend, attraktiv und voller lustiger
Ideen sein. Oft sind diese Menschen
auch rhetorisch gewandt, gute Tänzer und
musikalisch begabt. Sie haben die Fähigkeit,
mit ihren vielfachen Talenten alle Anwesenden
zu verzaubern – sie sind die Partylöwen
schlechthin. Man muss sie einfach
mögen, weil sie immer einen Scherz auf
den Lippen haben, nicht nachtragend sind
und nach der Devise leben: Ein neuer Tag,
ein neues Glück.
Wer sich in einen solchen Menschen
verliebt, hat zunächst oft den Himmel
auf Erden.
Nach einer Zeit offenbaren sich aber
auch die Kehrseiten dieses Charakters: Oft
sind sie sprunghaft und nicht besonders
zuverlässig, unstet und launenhaft.
Sanguiniker verzaubern und entnerven
Einige haben auch immer Mühe,
pünktlich zu Verabredungen zu erscheinen
– eben weil irgendetwas wieder spannender
und aufregender für sie war als die
übliche Routine.
Da sie sich für so viele unterschiedliche
Dinge interessieren und begeistern können,
reicht ihnen weder ihre Zeit noch ihr
Geld, um all das haben zu können, was sie
meinen, für ihr Glück zu benötigen.
Diese Menschen, die Mühe haben, ihr
Temperament zu zügeln, finden im Phlegmatiker
ihre „bessere Hälfte“ – denn dieser
ist für sie der Fels in der Brandung,
von dem sie Struktur und Ordnung lernen
können, und der ihre innere Unruhe zügeln
hilft.
Phlegmatiker bringen Ordnung und Stabilität
Mit dem Choleriker verstehen sie sich
zwar auf der gefühlsmässigen Ebene, jedoch
fehlt hier der ordnende Verstand.
Eine Verbindung mit einem Melancholiker
indes würde einen Sanguiniker immerzu
frustrieren, weil er nicht begreifen
kann, warum sein Partner das Leben so
ernst nimmt, während er selbst eigentlich
nur Spass haben möchte.
Der Phlegmatiker
Diese Menschen sind die Ordnungsliebe
und Perfektion in Person. Fragen Sie ihn,
in welchem Ordner etwas abgeheftet ist
– er wird es wissen. Schauen Sie in seinen
Schrank – dort wird alles ordentlich zusammengelegt
und nach Farben geordnet
zu fi nden sein. Er wird grosse Freude am
Sammeln und Archivieren haben, egal,
ob es Steine, Muscheln oder Briefmarken
sind. Er wird sich grosse Mühe geben, seine
weltlichen Güter zu erhalten und diese
pfl eglich zu behandeln, denn Chaos und
Niedergang des Bestehenden sind ihm
ein Greuel. Der Sanguiniker mit seinem
mitreissenden Charme ist für ihn der gute
Partner, denn durch ihn kann er lernen,
etwas spontaner zu sein, und auch einmal
„fünfe grade sein zu lassen“ – gemäss dem
Motto: nobody is perfect.
Nur wahre Liebe findet das richtige Miteinander
Da diese Menschen verstandesbetont
sind, ist ihnen die gefühlsbetonte und „zu
mitfühlende“ Art des Cholerikers extrem
zuwider. Verbindungen dieser beiden
Charaktere sind meist nicht sehr glückhaft
und wenig haltbar.Einen besseren Kontakt
haben sie mit dem Melancholiker, den sie
ob dessen Tatkraft und wilder Entschlossenheit
glühend bewundern – wenn auch
dieser Beziehung immer etwas das „Herz“
fehlt.
Heutzutage weiss ich also besser, warum
es die Liebe auf den ersten Blick gibt.
Sie geschieht im glückhaften Fall immer
dann, wenn ich auf ein Gegenüber
treffe, der zu mir passt und so zu meiner
„besseren Hälfte“ werden kann.Davon
unterscheiden muss man allerdings das
Gefühl der „Verliebtheit“ – die uns oft genug
in die Irre führt. Grund dafür ist, dass
wir uns leider zuweilen in Menschen verlieben,
die uns extrem gegensätzlich sind.
Sie attraktieren uns zwar sexuell und
erotisch, es fehlt jedoch die seelische und
innere Verbundenheit, die zu dauerhaft
glückhaften Beziehungen führen kann.
Die Kenntnis des eigenen Charaktertyps –
und wenn möglich auch die Kenntnis des
Charaktertyps des Partners, ermöglicht es
Paaren, die gegenseitige Anziehung besser
zu verstehen, aber auch duldsamer miteinander
zu werden, wenn sie mit Gegensätzlichkeiten
konfrontiert sind. Zu verstehen,
dass der Partner so ist, weil er eben so ist,
und nicht, weil er mich damit ärgern will,
bereitet den Boden für fruchtbare Gespräche
und trägt zu mehr Toleranz bei.
Verfasserin:
Dr. med. Ulrike Banis
Rathausstr. 11
A-6900 Bregenz
email: ulrikebanis@hotmail.com
aus Natürlich GESUND - 10. Jahrgang - Nr. 4 - Juni 2006
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