natürlich GESUND
Donnerstag, 11.03.2010      





Anders heilen

Die individuelle Konstitution entscheidet darüber, welches Heilverfahren das richtige ist. Erfahren Sie mehr über natürliche Alternativen für Jedermann

Viele alternative Heilmethoden sind immer wieder der Kritik ausgesetzt, weil ihre Wirksamkeit noch weitestgehend unerforscht ist. Dabei ist durchaus bekannt, dass die Schulmedizin weder unfehlbar noch harmlos ist. Eines ist auf jeden Fall klar: Als Ergänzung zur medikamentösen Behandlung kommen alternative Verfahren auf jeden Fall in Frage – zumal sie sanft und natürlich sind. Vor allem aber haben sie keine Nebenwirkungen. Ziel sämtlicher Verfahren ist es, eine vorliegende Störung oder einen Mangel auf natürliche Weise wieder auszugleichen.

Bevor man sich jedoch für ein Verfahren entscheidet, sollte man sich vorher kritisch mit den vielfältigen Angeboten auf dem Gesundheitsmarkt auseinandersetzen. Wertvolle Informationen liefern etwa Berufsverbände.

In der letzten Ausgabe haben wir Ihnen die Aromatherapie, ausgleichende Bachblüten, das Ayurveda sowie Chiropraktik und Osteopathie vorgestellt. In dieser Ausgabe erfahren Sie unter anderem von sommerlich Erfrischendem à la Kneipp.

Alles im Fluss:
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Wenn Sie bei TCM nur an Akupunktur denken, kennen Sie lediglich ein Element der traditionellen Heilkunde. Für die chinesische Medizin sind alle Körperteile und Organe durch Energiebahnen, so genannte Meridiane, miteinander verbunden. Jede Erkrankung wird als Störung des Energieflusses (Chi) interpretiert. Damit das Chi ungehindert fliesst, müssen die Kräfte Yin (passiv, kalt) und Yang (aktiv, warm) im Körper ausgeglichen sein. Ziel einer TCM-Behandlung ist daher das Ausbalancieren dieser Polaritäten. Ein Symptom zeigt immer ein Zuviel oder Zuwenig an Yin oder Yang an. Ausserdem spielen die fünf Elemente Erde, Wasser, Metall, Holz und Feuer eine wichtige Rolle, denen Organe bzw. Organsysteme, Gefühle und Lebensmittel zugeordnet werden.

In China wird TCM vor allem zur Vorbeugung und bei leichten Beschwerden eingesetzt. Für schwere Erkrankungen ist die asiatische Methode nicht geeignet, da sie etwa keine Operationen kennt. Die Diagnose eines TCM-Arztes basiert auf der ausgiebigen Befragung des Patienten, dem Abhören, Abtasten und Beriechen, dem Begutachten der Zunge und des Pulsschlags. Allein 28 Pulsqualitäten kennt die chinesische Medizin! Sie ist erfolgreich vor allem bei funktionalen Störungen wie Reizmagen und Schlafproblemen, Migräne, aber auch bei Rheuma, Allergien und Asthma. Behandelt wird dabei nicht das Symptom, sondern die Ursache.

Die Säulen der Therapie sind Akupunktur und Moxibustion (Erwärmung der Akupunkturpunkte), Schröpfen, Tuinamassage, Qi Gong, Ernährung nach den fünf Elementen sowie die chinesische Arzneimitteltherapie. Um das Chi zum Fliessen zu bringen, werden bei der Akupunktur mit feinen Nadeln gezielt Punkte auf den Meridianen stimuliert. Bei der Moxibustion werden die Punkte mit brennendem Moxakraut, meistens Beifuss, behandelt, wobei das Räucherwerk in der Regel die Haut nicht berührt. Beim Schröpfen erzeugen kleine Saug-Gefässe einen Unterdruck über den Meridianbahnen. Qi Gong harmonisiert den Energiefluss durch spezielle Bewegungsabläufe. Eine wichtige Rolle spielt auch die traditionelle Kräutermedizin, die Hunderte Rezepturen kennt.

Eine TCM-Behandlung bieten Heilpraktiker, TCM-Kliniken und mittlerweile auch Schulmediziner an. Ein Akupunktur-Kurs macht aber noch keinen TCM-Mediziner. Erkundigen Sie sich nach der Ausbildungsdauer. Viele Krankenversicherer erkennen Akupunktur, Schröpfen, Moxa, Ohrakupunktur, Kräutermedizin im Rahmen der TCM und Shiatsu als geeignete Therapieform an und übernehmen teilweise die Kosten. Voraussetzung ist jedoch in der Regel eine Zusatz-Versicherung.

Schweizerische Berufsorganisation für TCM - Informationen über Hintergründe, Stärken der TCM, qualifizierte TCM-Therapeuten in der Nähe und Kostenbeteiligungen von Krankenkassen. Kontakt: Alfred Lienhard Str. 1, 9113 Degersheim, Tel. 071-3720111, www.sbo-tcm.ch

Auf den Spuren des Wasserdoktors:
Die Kneipp-Kur

Plitsch, platsch, und noch eine Runde... Beim Stichwort Kneipp denken die meisten von uns an Wassertreten oder kalte Güsse. Tatsächlich besteht sie jedoch aus fünf Komponenten. Die wichtigste bei einer Kneipp-Kur ist und bleibt jedoch die Hydrotherapie. Nicht umsonst wird Sebastian Kneipp seit über 100 Jahren „der Wasserdoktor“ genannt.

Neben den Wasseranwendungen in zahlreichen Varianten spielen die Bewegungstherapie (Wandern, Schwimmen, Gymnastik), eine vollwertige Ernährungslehre, die sogenannte „Ordnungstherapie“ und die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) eine grosse Rolle. Ihre hilfreichen Kräuter gelten mittlerweile als Hausmittel-Klassiker: Baldrian für die Nerven, Johanniskraut bei leichten Depressionen oder auch Sennesblätter gegen Verstopfung.

Aber was hat es eigentlich mit der „Ordnungstherapie“ auf sich? Ordnung heisst bei Kneipp: geregelter Tagesablauf, regelmässige Entspannung, klärende Gespräche. Das baut Stress ab und hilft bei psychischen Problemen. Dieser Prozess kann auch vom Einsatz bestimmter Kräuter sinnvoll unterstützt werden – ein Beispiel dafür, dass die einzelnen Komponenten einer Kneipp-Kur ineinander greifen sollen.

Eigentlich war Sebastian Kneipp als Pfarrer tätig. Eine Erkrankung an Lungentuberkulose, die von den Ärzten als unheilbar eingestuft wurde, brachte ihn jedoch recht schnell auf medizinische Pfade. So erfand der damals 24-jährige die Hydrotherapie zur Selbsthilfe. Nachdem er ein Büchlein über die Heilkraft des Wassers gelesen hatte, nahm er im Winter mehrmals pro Woche ein Bad in der eiskalten Donau – und wurde gesund. Offenbar brachte die Radikalkur sein Immunsystem auf Trab. Das war 1849. Nach dieser wundersamen Heilung erprobte Kneipp die Wirkung von kalten Güssen und Wechselbädern auch bei seinen Patienten aus. Die benötigten medizinischen Gerätschaften waren übersichtlich: Giesskanne, ein Zuber und eine Schöpfkelle. Der Pfarrer behandelte fast alle Leiden mit Wasser, ob Schnupfen, nervöse Herzbeschwerden, Schlaflosigkeit oder Epilepsie. Der Erfolg blieb nicht aus. Bald wurde aus Wörishofen der erste Kneipp-Kurort.

Heute kommen Kneippsche Wasseranwendungen als ergänzende Therapie zum Einsatz, etwa bei Kreislaufproblemen, Bluthochdruck oder Gelenkschmerzen. Auch bei chronischen Schmerzen, Schlafstörungen, Depressionen und orthopädischen Erkrankungen kann die Hydrotherapie helfen.

Wertvolle Informationen zu Kneipp-Anwendungen stellt der Schweizer Kneippverband zur Verfügung. Der seit mittlerweile 75 Jahren bestehende Verein ist mit über 40 regionalen Kneipp-Vereinen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein vertreten. Er informiert über Wassertretanlagen und Armbäder, vermittelt diplomierte Kneipp-Gesundheitsberater und stellt weitere praktische Informationen zur Verfügung. Angeboten werden u.a. auch regelmässig Kurse zur häuslichen Kneipp-Praxis für alle. Wadenwickel gegen Fieber sind übrigens immer noch ein effektives Hausmittel – dank Pfarrer Kneipp.

Schweizer Kneippverband
Weissensteinstrasse 35, 3007 Bern
Tel. 031-372 45 43, Fax 031-372 91 61
info@kneipp.ch, www.kneipp.ch

Ähnliches durch Ähnliches heilen:
Die Homöopathie

Wenn Sie zum Heilpraktiker gehen, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Methoden der Homöopathie kennen lernen. Dieses alternative Medizinsystem arbeitet mit hochgradig verdünnten Arzneien.

Begründer war der deutsche Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843). Er stellte 1790 im Selbstversuch fest, dass das Malaria-Mittel Chinarinde, fieberhafte Symptome auslöste und schloss daraus, dass ein wirksames Medikament während des Gesundungsprozesses genau die Symptome hervorruft, die den Kranken kuriert. Also formulierte Hahnemann den bis heute gültigen Kernsatz der Homöopathie: „Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden”, der seiner Theorie auch den Namen gab (griech. „ähnliches Leiden”).

Im Mittelpunkt einer homöopathischen Behandlung steht nicht das Bekämpfen einer Krankheit, sondern der körperliche und seelische Gesamtzustand. So werden dieselben Symptome bei zwei Patienten unter Umständen mit ganz verschiedenen Mitteln behandelt, je nach Ergebnis der Anamnese. Rechnen Sie bei der ärztlichen Konsultation mit Fragen, die scheinbar gar nichts mit Krankheit zu tun haben: Frieren Sie leicht? Wie empfinden Sie Gewitter? Zeigen Sie offen Ihre Gefühle?

Hahnemann legte ein ganz spezielles Verfahren fest, mit dem homöopathische Mittel gewonnen werden: Zunächst werden Urtinkturen oder -substanzen hergestellt, meist aus Pflanzen, aber auch aus tierischen oder mineralischen Stoffen. In verschiedenen Stufen verdünnt, ergeben ein Teil Urtinktur und neun Teile Lösungsmittel D1, eine weitere Verdünnung D2, usw. Jede Verdünnung muss auf spezielle Weise zehnmal geschüttelt werden. Rechnerisch enthält D24 kein Molekül der Urtinktur mehr. In der Homöopathie gelten hochverdünnte Mittel jedoch als besonders wirksam. Die Erklärung: Es kommt nicht auf chemische Wirkstoffe an. Durch das Schütteln und Verdünnen gibt die Ursubstanz ihre Informationen an die Lösung ab, wobei jede Stufe diesen Vorgang potenziert, also intensiviert wird. Häufig verordnet werden sogenannte Globuli. Das sind mit flüssigen Potenzen beträufelte Zuckerkügelchen.

Homöopathisch behandeln lassen sich akute Erkrankungen wie Grippe, Mittelohr- und Blasenentzündungen, aber auch Allergien, Hautkrankheiten, Asthma, Rheuma, Magen-Darm-Probleme und psychosomatische Beschwerden. Bei akuten Symptomen soll die Wirkung des passenden Mittels in kurzer Zeit eintreten. Bei chronischen Krankheiten muss man sich etwas mehr gedulden, wobei zunächst auch eine „Erstverschlimmerung“ eintreten kann – ein Zeichen dafür, dass die Arznei wirkt. Gegen einen Placebo-Effekt spricht, dass auch Kinder und Haustiere mit Erfolg homöopathisch behandelt werden. Nicht nur Heilpraktiker, sondern auch manche Kassenärzte arbeiten mit Homöopathie.

Naturärzte-Vereinigung der Schweiz (NVS) - Im nath-pool finden Sie ein umfassendes Verzeichnis der therapeutischen Methoden naturärztlicher Medizin, ausserdem Links zu den Fachverbänden und zu den entsprechenden Therapeuten ganz in Ihrer Nähe. Sie können bequem aufgeschlüsselt nach Therapien, Namen oder Regionen suchen.

Kontakt: Postfach, CH-9101 Herisau, Tel. +41 (0)71 352 58 80, www.nath-pool.ch

Aus: natürlich Gesund, Ausgabe 05/2009
Bild: zhuda (Shutterstock)

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