natürlich GESUND
Freitag, 03.09.2010      





Gesundheit ohne Tabu

Nicht was Sie denken. Es geht nicht um Sex – jedenfalls nicht in erster Linie. Es geht um jene unangenehme „Lebenszeichen“, die unser Sozialleben erheblich beeinträchtigen können. Die Rede ist von Blähungen und Mundgeruch. Bevor wir jedoch kosmetische Gegenmaßnahmen ergreifen, „lüften“ wir erst einmal das Geheimnis komplexer Bakterien- und Pilzwelten

Milliarden werden mit unserer Angst verdient, versuchen wir doch immer, so perfekt wie möglich zu sein. Aber selbst diejenigen unter uns, die sich nicht vor den Karren der Kosmetik- und Gesundheitsindustrie spannen lassen, müssen eingestehen, dass Hygienemaßnahmen und ein positives Erscheinungsbild den Umgang mit unseren Mitmenschen viel einfacher machen.

Worum geht es also hier? Es geht um unangenehme Gerüche, die wir selbst produzieren, etwa Blähungen und Mundgeruch. Nun kann man uns jedoch kaum unterstellen, unangenehme Gerüche absichtlich zu produzieren – es sei denn, wir wollten uns wirklich jemanden vom Leib halten. Selbst ein Stinktier produziert seine ätzende Flüssigkeit nur zur Abwehr und würde genau wie wir darunter leiden, ungewollt eine ständige Geruchswolke abzugeben

Mit einem kleinen Schlenker in vergangene Schul- und Lehrjahre, genauer gesagt in den Chemie- und Biologieunterricht, können wir den Ursachen diverser Ausdünstungen auf die Schliche kommen. Denn – und das ist die gute Nachricht – wir produzieren Gerüche gar nicht von selbst. Schuld sind mikroskopisch kleine Lebewesen in Form von Pilzen und Bakterien, die fleißig von uns gefüttert werden. Erst dann sind sie in der Lage, chemische Stoffe zu produzieren, die unseren Geruchssinn so empfindlich stören. In vielen Fällen sogar mit gesundheitsschädlichen Folgen.

Von Gut und Böse: Bakterien

Ich bin mir sicher, dass Sie jetzt auf die gleiche Idee kommen wie ich: Wir bringen die unliebsamen Mitbewohner einfach „um die Ecke“, und zwar mit den zahlreichen Hilfsmitteln, die uns Kosmetik- und Gesundheitsindustrie zur Verfügung stellen.

Leider hat diese Idee einen Pferdefuß, denn trotz Deodorant, Mundwasser, Scheidenspülungen und im schlimmsten Falle Antibiotika kehrt das Problem im Regelfall zurück, oft sogar schlimmer als zuvor. Die Erklärung ist einfach. Erstens schaffen wir es meist nicht, alle beteiligten Bakterien zu vernichten, und zweitens braucht unser Körper bestimmte Bakterien – nennen wir Sie einmal laienhaft „gute“ Bakterien. Sie helfen bei der Verdauung, stellen Vitamine her, reparieren sogar kleine Schäden im Körper und leben seit Jahrtausenden mit dem menschlichen Körper in perfekter Harmonie – ähnlich den Nashornvögeln, die dem afrikanischen Dickhäuter unliebsame Parasiten aus der Haut klauben und dabei auch noch wunderbar satt werden.

Bekämpft man nun Bakterien allgemein, bringt man nicht nur die geruchsbildenden unter ihnen um, sondern auch die „guten“ – sozusagen die Nashornvögel. Das gibt wiederum den „schlechten“ Bakterien leichtes Spiel, ihre Arbeit fortzusetzen. Beispiel Durchfall: Nach einer Behandlung mit Antibiotika gerät die Mischung der in unserem Darm vorhandenen Bakterien durcheinander, die Darmflora ist gestört und die Möglichkeiten einer Pilzinfektion schlagartig erhöht. Die Folge sind Durchfall und möglicherweise eine langwierige Darmsanierung.

Ausgleich gefragt

Sollten Sie jetzt noch nicht genug von meinen Tabuthemen haben, das Ganze nicht unappetitlich genug finden oder sogar eine Lösung für Ihr Geruchsproblem haben wollen, dann begleiten Sie mich einen Moment lang in die Welt der Bakterien. Dort herrscht nämlich ein ähnlicher Überlebenskampf wie in der unsrigen.

Machen Ihnen etwa übermächtige Körperdüfte zu schaffen, dann können Sie ziemlich sicher davon ausgehen, dass die unerwünschten Brüder und Schwester der „guten“ Bakterien das Zepter an sich gerissen haben. Ähnlich geht es bei leidigen Pilzinfektionen zu: Eine gesunde Bakterienflora in Mund, Darm oder Scheide bietet Pilzen wenig Gelegenheit, ihr geruchsintensives Werk zu beginnen.

Sie selbst können eine Menge unternehmen, um Ordnung in Ihr persönliches Bakterienumfeld zu bringen. Fangen Sie gleich damit an, und zwar dort, wo

Luft anhalten nicht nötig

Neben Nase und Lungen ist der Mund eines der wichtigsten Eingangstore zu unserem Organismus. Das bedeutet auch, dass Bakterien hier leicht Einlass bekommen und bei leckeren Speiseresten einen idealen Nährboden vorfinden.

Im Mund und Rachen leben über 300 verschiedene Bakterienarten. Rund 80 davon sind für unangenehme Geruchsausbildung verantwortlich. Es handelt sich hauptsächlich um die Bakterien, die Eiweiße zersetzen. Eiweiße sind sowohl im Speichel als auch in der Nahrung enthalten, so dass sie in der Rachen-Mundhöhle ständig vorkommen. Bei ihrer Zersetzung werden Schwefelverbindungen freigesetzt, die dem Atem die unangenehme Note geben. Zwar ist der Glaube immer noch verbreitet, dass Mundgeruch im Magen entsteht, doch neuere Erkenntnisse zeigen, dass in mehr als 85 Prozent der Fälle zumindest die unmittelbare Ursache im Mund- und Rachenraum zu suchen ist.

Mit Mundwässer und Zahnpasten kann man dagegen ankämpfen. Leider bestehen jedoch die meisten gängigen Mundpflegeprodukte aus einer Mischung verschiedener Chemikalien, die auch der Mundflora den Garaus machen. Unglücklicherweise gehen die „guten“ Bakterien als erste drauf. Durch die gleichzeitige Eliminierung der „schlechten“ hat man dann zwar tatsächlich eine Weile den viel gepriesenen frischen Atem. Dummerweise vermehren sie sich aber in der gestörten Mundflora umso schneller.

Halten wir also fest: Gute Mund- und Zahnpflege ist essentiell für guten Atem. Auch der Einsatz von Zungebürsten ist hilfreich. Wenn Sie dennoch ein Problem mit Mundgeruch haben, sollte Sie Ihr erster Gang zum Zahnarzt führen. Er stellt fest, ob Karies oder andere Infektionen des Mundraumes die Ursache sind. Ist dieser Punkt geklärt, können Sie sich eine natürliche Zahncreme ohne chemische Zusätze und ein natürliches Mundwasser besorgen. Und vergessen Sie nicht: Zahnbürsten sollten alle vier Wochen und nach jedem Infekt gewechselt werden.

Unser Tipp für selbstgemachte Zahnpasta: Eine hervorragende Zahnpasta lässt sich auch ganz einfach selbst herstellen. Besorgen Sie sich dazu ultrafeine Tonerde, ein gutes, kalt gepresstes Öl (je nach Geschmack Oliven- Sonnenblumen- oder Distelöl), organisches Kräuteröl (z.B. Thymian- oder Pfefferminzöl) und organisches Teebaum-Öl. Mischen Sie die Tonerde und das Speiseöl, bis die Paste eine zahnpastaähnliche Konsistenz bekommt. Je nach Geschmack können Sie noch einige Tropfen Kräuter- oder Teebaum-Öl hinzufügen. Ich garantiere Ihnen, dass Sie ab diesem Zeitpunkt einen großen Bogen um handelsübliche Zahnpasten machen werden. Sollte es Sie trotzdem nach einem Mundwasser gelüsten, nehmen Sie einfach ein Glas Wasser und geben Sie einen Tropfen organisches Teebaum-Öl hinzu. Jetzt gilt es gurgeln – und nicht schlucken!

Ein letzter Tipp zur Mundgesundheit: Verzichten Sie soweit wie möglich auf Zucker und zuckerhaltige Getränke. Der süße Stoff ist das ideale Futter für geruchsproduzierende Bakterien.

Luft raus: Darmgesundheit

Vom Mund ist es kein langer Weg bis in den Darm. Leider – oder glücklicherweise – liegt der Magen dazwischen. Glücklicherweise, weil er viele „schlechte“ Bakterien durch die Magensäure daran hindert, in den Darm zu kommen. Und leider, weil er auch die „guten“ Bakterien behindert.

Ein Mittel gegen Blähbauch und Blähungen wird täglich in der Werbung angepriesen und ist zur Wiederherstellung einer gesunden Darmflora sicherlich besser als nichts. Den gleichen Zweck erfüllt jedoch auch ein handelsüblicher Joghurt ohne Zucker und Konservierungsstoffe. Denn wichtig sind hauptsächlich die Milchsäurebakterien – und das, obwohl der Darm ca. 400 verschiedene Bakterienarten enthält! Milchsäurebakterien sind sozusagen der Wachdienst über eine gut funktionierende Darmflora. Zu empfehlen sind auch Bakterienmischungen zur Sanierung der Darmflora, die in der Apotheke erhältlich sind.

Bei häufigen Darmproblemen können Darmspülungen helfen. Richtig durchgeführt, befreien sie den Darm von Jahrzehnte alten Ablagerungen und den Körper von angesammelten Giftstoffen und Schwermetallen. Sprechen Sie hierzu am besten mit Ihrem Heilpraktiker.

Der Saft für alle Fälle

Gegorener Krautsaft ist ein einfaches, aber hilfreiches Hausmittel, welches bei regelmäßiger Einnahme Blähungen beseitigt und die Darmflora auf fast magische Weise wieder in Ordnung bringt.

Schneiden Sie dazu ein Viertel Weißkohl klein und geben Sie die Stücke in den Mixer. Füllen Sie den Mixer mit kohlesäurefreiem Mineralwasser auf (kein Leitungswasser, wegen des möglichen Chlor oder Ozongehalts) und mixen Sie alles gut durch. Die Mischung in einen Behälter oder eine Flasche mit aufliegenden Deckel füllen und auf ca. einen Liter mit Wasser auffüllen. Lassen Sie jetzt die Mischung bei Zimmertemperatur drei Tage mit aufliegendem und nicht verschraubten Deckel stehen. Hat alles funktioniert, riecht die Flüssigkeit mehr oder weniger säuerlich. Filtern Sie die Flüssigkeit durch ein Tuch und füllen Sie das gefilterte Produkt in eine verschließbare Flasche. Im Kühlschrank hält sie sich etwa vier bis sechs Tage. Trinken Sie von der gefilterten Flüssigkeit morgens und abends nach dem Essen jeweils ein halbes Glas. Sie werden sich wundern, wie schnell sich Ihr Darm regeneriert und die lästigen Blähungen verschwinden. Unser Tipp: Machen Sie nach dem Filtern gleich eine neue Portion, und geben Sie zwei Esslöffel der gefilterten Flüssigkeit dazu. Schon nach etwa 24 bis 36 Stunden ist Ihre nächstes Portion fertig!

Den gegorenen Weißkrautsaft können Sie übrigens nicht nur für den Darm, sondern auch für Scheidenspülungen mit Hilfe eines Klistiergeräts verwenden, wenn sie z.B. an Candida oder häufigem Ausfluss leiden.

Der Tipps und Tricks gibt es noch vielerlei, um lästigen „Lebenszeichen“ auf natürliche Art und Weise den Garaus zu machen. Mit Weißkohl fangen Sie schon mal das ABC von unten an.

Mundgeruch: Was steckt dahinter?

Mundgeruchs-Selbsttests (Einmaltests) ermitteln mittels Zungenabstrich den Bakterienanteil auf der Zunge und zeigen die Stärke des Mundgeruchs an: Je schneller die Farbveränderung eintritt, desto höher ist die Zahl jener Bakterien auf der Zunge, die Mundgeruch verursachen.

Der Selbsttest ist als erster Schritt geeignet, mehr aber auch nicht. Unbeantwortet bleibt die Frage nach dem Entstehungsort. Dazu gehören folgende Ursachen:

• Karies
• Infektionen
• Behandlung mit Antibiotika
• Medikamente, die die Schleimhaut austrocknen
• Fasten
• Stress
• Rauchen
• verminderte Speichelbildung

Autor: Frank Delano
Bild: Shutterstock
Aus: natürlich Gesund, Ausgabe 1/2010

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