Homöopathie und Psychotherapie – ein starkes Zweiergespann
Chronische Erkrankungen erfordern Therapieformen, die nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Symptome berücksichtigen. Eine Möglichkeit der ganzheitlichen Behandlung ist die Verbindung von Homöopathie mit Transpersonaler Psychotherapie. Beata Schnebel stellt die effektive und tiefgreifende Therapie vor.
Der Begriff der Homöopathie provozierte vor noch nicht allzu langer Zeit bei vielen allenfalls einen erstaunten Blick. In der heutigen Leistungsgesellschaft findet ihre Kernaussage einen stärker werdenden Widerhall: Jeder besitzt eine individuelle Lebenskraft, wird sie gestört, entstehen Krankheiten.
Ähnlich den sich stetig verändernden Lebensbedingungen ist auch die Homöopathie dabei kein statisches Modell. Angesichts der erschreckenden Zunahme an psychischen und psychosomatischen Erkrankungen suchen Komplementärmediziner und Therapeuten nach Behandlungsmethoden, die den neuen Anforderungen genügen. Erfolge zu verbuchen hat hier etwa die integrale Behandlungsmethode der Homöopathie mit der Transpersonalen Psychotherapie. Die homöopathischen Arzneimittel regen dabei die Lebenskraft an, unterstützen die Selbstheilungskräfte und wirken stabilisierend auf sämtliche Steuerungsvorgänge des vegetativen Nervensystems.
Konflikten auf der Spur
Dann ist ja alles gut, könnte man meinen. Die Kombination mit einer begleitenden psychotherapeutischen Behandlung ist jedoch insbesondere bei psychosomatischen Erkrankungen sinnvoll (Neurodermitis, Colitis ulcerosa, funktionelle Herz-Kreislauferkrankungen), denn ihnen liegen meist emotionale Konflikte zugrunde. Doch was ist konkret mit Transpersonaler Psychotherapie gemeint? Sie geht davon aus, dass jeder Mensch das Potential zu Erfahrungen besitzt, die die Grenzen des Verhaltens, Erlebens und Bewusstseins überschreiten, sie also transzendieren. Diese Erfahrungen sollen heilend wirken und die Persönlichkeitsentwicklung entscheidend fördern. Durch die gemeinsame Arbeit von Therapeut und Patient werden Gründe für Konflikte ans Licht gebracht. Methoden wie Imagination, Arbeit mit Träumen, kreatives Arbeiten oder die praktische Ausführung spiritueller Disziplinen unterstützen dabei den Zugang zu sich selbst. Für den einen ist das die Erfahrung emotionaler Nähe zu Mitmenschen, für den anderen die Entwicklung intellektueller und kreativer Fähigkeiten oder auch spirituelle Erfahrungen. Wirkung zeigt diese Behandlungsform auch bei Angststörungen, Depressionen und Zwangerkrankungen, also Krankheiten, die sich ausschließlich auf der seelisch-geistigen Ebene zeigen. Dazu mehr an Hand folgender Krankheitsgeschichte aus meiner Praxis.
Aus der Praxis: Nachbehandlung
Eine Patientin (Mitte 40) kam nach einer Gebärmutterhalsoperation in die homöopathische Nachbehandlung. Ihr Wert für die Zellgewebsveränderung, der sogenannte Pap-Wert, war noch immer leicht erhöht, das Immunsystem geschwächt. Sie berichtete außerdem, dass sie seit Jahren unter Depressionen, Schlafstörungen und Panikattacken leide. Vor allem Menschenansammlungen und Fahrstühle machten ihr Angst. Zu den psychischen Problemen gesellten sich wiederkehrende Infekte, kontinuierlicher Haarausfall sowie Schwellungen und Steifheit der Gelenke, vor allem in den Knien. Gegen diese Beschwerden verschrieb ich ihr ein homöopathisches Konstitutionsmittel, welches vor allem bei Depressionen in Kombination mit Panikattacken und Schlafstörungen eingesetzt wird. Nach zweimonatiger Einnahmezeit waren positive Effekte zu beobachten: Die Patientin fühlte sich emotional stabiler, die Panikattacken und Schlafstörungen nahmen ab. Der richtige Zeitpunkt für eine begleitende Gesprächstherapie war gekommen. Sie befördert Konflikte, und Abwehrmuster an die Bewusstseinsoberfläche und trägt dazu bei, emotionale Anspannung aufzulösen. Gemeinsam mit meiner Patientin arbeiteten wir also an den Inhalten ihrer Träume, an die sie sich seit Beginn der homöopathischen Behandlung sehr viel besser erinnern konnte. Ihre Träume spiegelten ihren augenblicklichen emotionalen Zustand in den unterschiedlichen Behandlungsphasen wider und gaben Einblick in psychische Prozesse, die außerhalb von bewusster Kontrolle liegen.
Auf meine Empfehlung hin begann sie nach einiger Zeit mit einer Chakra-Atemübung. Die sieben Chakren sind Energiezentren, in denen Körperliches, Seelisches und Geistiges ineinander greifen. Jedes einzelne Chakra hat Bezug zu einer bestimmten emotionalen und geistigen Anlage und beeinflusst jeweils eine Körperregion. Die Übung hilft, diese Energiezentren zu aktivieren und den Energiefluss im Organismus anzuregen. Die regelmäßige Praxis dieser Chakra-Übung öffnet Energiekanäle, neue Bewusstseinserfahrungen werden möglich.
Im Falle meiner Patientin führte ihr zunehmendes Interesse an spirituellen Erfahrungen zu der Entscheidung, eine Meditationspraxis zu eröffnen. Noch heute lernt sie durch ihre spirituellen Übungen immer wieder neu, emotionale und mentale Konflikte loszulassen und sich für den gegenwärtigen Moment zu öffnen. Dieser Prozess ist wie eine Reise der Seele zu mehr Selbsterfahrung, die neue Sinnesinhalte erkennen lässt.
Die Behandlung dauert in der Regel etwa zwei Jahre. Zwischenzeitlich auch zu einer Verschlechterung der Symptomatik kommen, die homöopathischen Komplexmittel helfen jedoch relativ schnell über diese Phasen hinweg und der Zustand stabilisiert sich. Infekte, Gelenkbeschwerden und Haarausfall nehmen in der Regel ebenfalls ab. Im Fall meiner Patientin sank in dieser Phase der Pap-Wert von 2 auf 0. Ein tiefer Heilungsprozess fand statt, der sich sowohl auf die körperliche als auch die seelische Ebene ordnend und stabilisierend auswirkte. Die Kombination der klassischen Homöopathie mit Erkenntnissen der Psychotherapie hatte sich bewährt.
Unsere Autorin
Beata Schnebel arbeitet seit 20 Jahren als klassische Homöopathin in eigener Praxis und bezieht seit acht Jahren die Transpersonale Psychotherapie als ergänzende Therapiemethode mit ein. Eine entsprechende Ausbildung hat sie in einem vierjährigen Studium an dem kalifornischen Institut für Transpersonale Psychologie in Palo Alto absolviert. Zu dem Thema ist von ihr beim Via Nova Verlag erschienen: „Homöopathie und Transpersonale Psychotherapie“, € 19,60.
Autorin: Beate Schnebel
Bild: Shutterstock
Aus: natürlich Gesund, 3/2010
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