natürlich GESUND
Donnerstag, 11.03.2010      





Wilde Hagebutte: Neue Hilfe gegen Arthrose


Der zweithäufigste Grund, weshalb Menschen in Europa medizinische Hilfe suchen, sind arthrotisch bedingte Schmerzen in den Gelenken. Dieses Leiden gehört zum Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen und geht in vielen Fällen mit schmerzhaften Entzündungen einher. Ursache für die Schmerzen ist eine Zerstörung des Gelenkknorpels. Neue Forschungen ergeben, dass die Wirkstoffe der wilden Hagebutten hier sanft und wirkungsvoll helfen können.

Für die betroffenen Personen bedeutet die Arthrose eine schmerzhafte, chronische Krankheit, die sie bei fast allen Tätigkeiten beeinträchtigt. Die Schmerzen begleiten sie Tag und Nacht, die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt. Bei ihrer Suche nach Linderung greifen viele Patienten zu frei verkäuflichen und rezeptpflichtigen Medikamenten, unterziehen sich langwierigen Physiotherapien oder lassen sich sogar operieren.

Schmerzen nehmen zu

Und doch bringen ihnen all diese Behandlungen oft nur eine kurzfristige Linderung der Schmerzen. Vor allem schreitet die Zerstörung des Knorpels in den meisten Fällen unaufhaltsam fort, mit der Folge, dass die Schmerzen grösser und die Bewegungseinschränkungen gravierender werden.

Die Entdeckung der wilden Hagebutte
In Dänemark litt der Bauer Erik Hansen unter unerträglichen Arthrosebeschwerden. Er hatte schon viele Ärzte kontaktiert, doch brachten ihm die vorgeschlagenen Therapien wenig Linderung. Von einer Bekannten erhielt er eines Tages eine selbst zubereitete Hagebuttenmarmelade als traditionelles Hausmittel.
Zu seiner Überraschung stellte der Bauer tatsächlich eine leichte Besserung seiner Beschwerden (vor allem der Schmerzen) fest. Anfang der 1990er-Jahre pfl ückte Erik Hansen die Früchte der wilden Hagebutte, die an den Stränden Dänemarks wächst, um zu untersuchen, ob ein Pulver aus den getrockneten Früchten dieser speziellen Hagebutte ebenfalls schmerzlindernd wirkt. Er trocknete die gesammelten Früchte deshalb sorgfältig und verarbeitete sie zu einem Pulver. Durch die eigenen positiven Erfahrungen bestärkt, begann er, sein Hagebuttenpulver Nachbarn und Freunden zu schenken und diese berichteten ihm alsbald von der schmerzlindernden Wirkung. Daraufhin beschloss er, eine kleine Produktion aufzuziehen und sein Pulver zu verkaufen.
Heute weiss man, dass Erik Hansen durch die sorgfältige Trocknung der Früchte den Wirkstoff der Hagebutte schonte. Dadurch konnte er eine viel bessere Wirkung erzielen als mit der Marmelade. Dass er instinktiv das Richtige getan hatte, bestätigten ihm seine Kunden im Laufe der folgenden Jahre

Die wirkungsweise der wilden Hagebutte
1. entzündungshemmend
2. schmerzlindernd
3. Senkung freier Radikale
Weisse Blutkörperchen (Leukozyten) sind am entzündlichen Prozess in den Gelenken beteiligt. Hagebuttenpulver verhindert, dass die Leukozyten in das Entzündungsgebiet einwandern und das Knorpelgewebe weiter schädigen. Das Knorpelgewebe wird aber auch durch die Bildung von freien Radikalen im Entzündungsprozess geschädigt. Hagebuttenpulver verhindert, dass freie Radikale gebildet werden. Hagebuttenpulver schwächt daher die Entzündungsreaktion in den Gelenken ab oder unterdrückt sie sogar ganz. Dadurch werden die Schädigung und die Zerstörung des Knorpels gestoppt und sowohl die Schmerzen gelindert, als auch die Beweglichkeit verbessert.
Die entzündungshemmende Wirkung der wilden Hagebutte beruht darauf, dass die Leukozyten nicht in das Entzündungsgebiet einwandern und das Knorpelgewebe weiter schädigen.

Welche Hagebuttenpräparate eignen sich für eine Therapie?
Wichtig für die entzündungshemmende Wirkung ist· die Wahl der speziellen Unterart der wilden Rose (Rosa canina ssp. Lito)
· die Trocknung und Verarbeitung bei max. 40 ° C
· die Kerne müssen mitverarbeitet werden
· das Präparat muss standardisiert sein
In allen Arthrose-Studien wurde ein Pulver namens Litozin verwendet. Mit diesem Pulver wurden auch die Laborversuche durchgeführt.

Anwendung
Während den ersten 4-6 Wochen wird eine Einführungsdosis von 5g Hagebuttenpulver empfohlen. Dies entspricht 2x 1 Messlöffeln à 2,5g. Ist der Erfolg zufriedenstellend (nach 3-6 Monaten), kann die Dosis auf 1 Messlöffel täglich reduziert werden. Den Patienten, die das Hagebuttenpulver als Kapseln einnehmen möchten, wird empfohlen zusammen mit den Hauptmahlzeiten ebenfalls während 4-6 Wochen 2x täglich 4 Kapseln à 750mg einzunehmen.
Ist der Erfolg zufriedenstellend (nach 3-6 Monaten), ist eine Reduktion auf die Hälfte möglich. Am einfachsten ist es, wenn das Pulver in ein Joghurt oder Müesli eingerührt und dann so eingenommen wird. (B. L.)

Weitere Infos unter:
www.hagebutten.ch
www.litozin.ch

Die Expertenmeinung:

Prof. Dr. med. Sigrun Chrubasik arbeitet als Fachärztin für Allgemeinmedizin in Zürich. Als international anerkannte Expertin für Phytotherapie forscht sie an der Universität Freiburg (D) und lehrt an der Universität in Sydney

Pflanzliche Arzneimittel haben trotz ihrer oft jahrtausendealten Tradition einen schweren Stand
Anekdotische Berichte und Überlieferungen haben kaum eine Bedeutung – auch wenn ein Präparat von den Patienten als wirksam und nützlich betrachtet und geschätzt wird. Die moderne Wissenschaft verlangt spezifi sche Wirkstoffnachweise und konstante Wirkstoffkonzentrationen, messbare und reproduzierbare Wirkeffekte sowie kontrollierte klinische Studien. Umso erfreulicher ist es, wenn es einem pfl anzlichen Mittel gelingt, seine Wirksamkeit unter Beweis zu stellen. In einer nach strengen Qualitätskriterien erstellten zusammenführenden Studie kommt Prof. Dr. Sigrun Chrubasik zum Schluss, dass an der Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers bei arthrotischen Beschwerden nicht zu zweifeln ist. Sie selbst setzt in ihrer Praxis das Hagebuttenpulver auch bei Patienten ein, die unter chronischen Rückenbeschwerden leiden.

Frau Prof. Chrubasik, erzählen Sie uns bitte etwas von Ihrer Erfahrung mit der Hagebutte
Da ich die grundlegenden Studien zu Teufelskralle, Weide und Brennnessel durchgeführt habe, wollte ich natürlich unbedingt wissen, wo die Hagebutte einzureihen ist und habe gleich darauf begonnen, anhand meines Dokumentationsbogens Erfahrungen zur Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers zu sammeln.

Wie dosieren Sie das Hagebuttenpulver am wirkungsvollsten?
Ich empfehle meinen Patienten mit rund 5 g Hagebuttenpulver pro Tag zu starten. Das sind morgens und abends je ein Messlöffel à 2.5 g. Es gibt auch Kapseln auf dem Markt, da empfehle ich ihnen morgens und abends je 4 Kapseln. In den ersten 3-6 Monaten verbessern sich die Beschwerden stetig. Ist das Maximum erreicht oder ist man mit dem Resultat zufrieden, kann die Dosis auf die Hälfte reduziert und die Therapie so fortgeführt werden.

Wie lange dauert es, bis die Wirkung spürbar ist?
Man braucht bei pflanzlichen Heilmitteln etwas Geduld. Mit vier bis sechs Wochen müssen Sie rechnen.

Was kann man von der Hagebutte noch erwarten?
In einer Studie gelang es, den Beweis zu erbringen, dass nicht nur der erhöhte Entzündungsparameter CRP durch das Hagebuttenpulver gesenkt wurde, sondern auch das «schlechte» LDL-Cholesterin, das sich in den Gefässen ablagert und zur Arteriosklerose führt.


aus Natürlich GESUND - 9. Jahrgang - Nr. 7 - Oktober 2005

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