Kräutlein rühr-mich-nicht-an
Vor 150 Jahren empfahl Pfarrer Kneipp Rheumakranken zur Förderung der Durchblutung die sogenannte „Urtication“. Von der Auspeitschung mit Brennnesseln können Patienten inzwischen absehen. Die vielseitige Wirkungsweise der Brennnessel ist aber auch heute noch brennend interessant
Meistens spürt man sie, bevor man sie sieht. Die Brennnessel hat ihrer Eigenschaft auf der Haut zu brennen, ihren deutschen und wissenschaftlichen Namen (Urtica = die Brennende) zu verdanken. Nähert man sich ihrem gezackten Grün in Freundschaft, muss man die roten Quaddeln nicht fürchten. Streicht man ihre Borsten jedoch gegen den Wuchs, brechen die spröden Brennhaare ab. Wie eine Injektionsspritze wirkt dann das hohle Haar, und selbst noch ein Hundertstel Milligramm ihres histaminähnlichen Gifts ruft an den winzigen Stichwunden brennende Pusteln hervor.
Grüne Kosmopolitin
Humusbildend wirkt die Nessel und bereichert die Erde mit ihren Mineralstoffen, steigert das Aroma von Kräutern und Früchten, in deren Nähe man sie wachsen lässt. Auch gibt es nicht nur eine Brennnesselart. Arzneiliche Verwendung finden die Grosse und die Kleine Brennnessel. Beide lieben Plätze, wo wir unsere Ausscheidungen und unsere Abfälle abladen. Sie kennzeichnet diese durch ihre Tugend, mit jedem Müll fertig zu werden. Und das auf der ganzen Welt!
Junges Gemüse
Ob getrocknet als Tee oder als frisches Gemüse aus jungen Blättern – Brennnesseln regen den gesamten Stoffwechsel an. Teemischungen gegen Rheuma und Gicht, Galle- und Leberbeschwerden fügt man Brennnessel zu. Das grüne Kraut fördert pur als Tee besonders die Harnausscheidung und Entgiftung von Muskeln und Gelenken und wird deshalb zur jährlichen Entschlackungskur empfohlen. Die Wurzel lindert bei Männern Prostatabeschwerden.
Verbündete der Frauen
Besonders den typisch weiblichen Zipperlein kann man mit Brennnesseln zu Leibe rücken. In den getrockneten Samen der Brennnessel stecken Pflanzenhormone, Mineralstoffe und Vitamine. Die grüne Fee hilft gegen Eisenmangel, stabilisiert den Hormonhaushalt und regt die Milchbildung bei stillenden Müttern an. Sie ist auf dem besten Weg zur Emanzipation und in der Kräuterheilkunde ein wahrer Dauerbrenner.
Natürliche Hilfe mit...
Brennessel-Tee:
Eine Teekur mit Brennnesseltee unterstützt die Entschlackung und hilft bei Rheuma und Erkältungen. Dazu 1 EL getrocknete oder 2 EL frische Blätter und Stängel 5 Minuten in einem halben Liter Wasser kochen. Anschliessend 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Mindestens 2 Wochen lang 2x täglich zwischen den Hauptmahlzeiten einnehmen.
Kaltansatz:
Bei Eisenmangel und Blutarmut eine ganze Pflanze mehrere Stunden in einen Liter Wasser legen und über den Tag verteilt trinken.
Aus: natürlich Gesund, Ausgabe 05/2009
Bild: basel10165 (Shutterstock)
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