natürlich GESUND
Sonntag, 05.02.2012      





Intelligentes Immunsystem

Sei es in den Atemwegen, auf der Haut oder im Verdauungstrakt – blitzschnell muss es entscheiden, ob Krankheitskeime ihr Unwesen treiben oder ob es sich um harmlose und sogar lebenswichtige Substanzen handelt. Fehleinschätzungen können zu Infektionen, Allergien oder Autoimmunerkrankungen führen und schwächen und schädigen den Organismus dauerhaft. Verständlich also, dass das menschliche Immunsystem auf mehreren Pfeilern ruht: der sogenannten unspezifischen und der spezifischen Abwehr.

Die unspezifische Abwehr ist angeboren und besteht aus Eiweiß-Kohlenhydrat-Verbindungen und Abwehrzellen im Blut, den sogenannten Fresszellen. Beide sorgen dafür, dass Fremdstoffe möglichst schnell unschädlich gemacht werden. Die spezifische Abwehr setzt hingegen verzögert ein, ist dafür aber zielgerichtet. Zu ihr gehören Antikörper, die sich direkt an Krankheitskeime heften um sie zu zerstören. Unterstützung bekommen sie von eigens „geschulten“ weiße Blutkörperchen, den T-Lymphozyten.

Zu viel des Guten

Leider gibt es jedoch einige Faktoren, die die Schlagkraft der körpereigenen Abwehr herabsetzen – das können unausgewogene Ernährung, Dauerstress oder auch eine saisonal bedingte Schwächung sein. Trotzdem gilt nicht: Je stärker die Abwehr, desto besser. Denn auch überschießende Immunreaktionen sind problematisch, etwa wenn selbst der Kontakt mit harmlosen Substanzen allergische Alarmsignale hervorruft. Auch Autoimmunerkrankungen können provoziert werden. Dabei wird durch einen Defekt im Immunsystem nicht mehr zwischen körpereigenem und körperfremdem Material differenziert. Zellschädigungen sind die Folge, etwa in der Bauchspeicheldrüse (Diabetes mellitus), im Darm (Morbus Crohn), in der Schilddrüse (Morbus Basedow) oder im Nervensystem (Multiple Sklerose).

Was genau zu diesen Fehlregulationen führt und wie sie ablaufen, ist noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise spielen Infektionen mit Bakterien oder Viren eine Rolle. Auch Impfungen werden als Auslöser diskutiert. Eine richtige Behandlung ist deshalb so schwierig, weil einerseits das Immunsystem zwar gedrosselt werden muss, andererseits aber die Abwehr gegen tatsächlich gefährliche Krankheitserreger nicht außer Kraft gesetzt werden soll.

Was also tun? Eine gesunde Lebensweise und der Verzicht auf übertriebene Hygiene seit Kindesbeinen sorgen zumindest dafür, dass sich der Organismus mit Keimen aus der Umwelt auseinandersetzt. Das senkt das persönliche Erkrankungsrisiko. Bei einer ganzheitlichen Allergiebehandlung ist es wiederum wichtig, das Immunsystem nicht noch mehr anzuregen, sondern eher die dauernde Alarmbereitschaft beim Kontakt mit Blütenpollen, Nahrungsmitteln oder Hausstaub zu dämpfen.

Und mal ganz von medizinischen Aspekten abgesehen: Auch mit einem Lied auf den Lippen kann das Immunsystem einen ordentlichen Schub bekommen. Forscher der Universität Frankfurt stellten fest, dass Chorsänger eines Frankfurter Kirchenchores nach 60 Minuten Probe deutlich höhere Werte des Immunglobulins IgA im Blut aufwiesen.

Bello hält fit

So sehr man sich auch bemüht: Wer einen Hund sein eigen nennt, wird nie sterile Sauberkeit im Haushalt erreichen. Macht nichts! Wie eine internationale Studie mit 9.000 Kindern zeigt, profitiert davon das kindliche Immunsystem. Positiv wirkt nicht nur die Bewegung an der frischen Luft, sondern wahrscheinlich auch der Mix aus Endotoxinen, die ein Hund mit dem Dreck ins Haus schleppt. Fakt ist, dass die kindliche Allergieneigung in einem Hundehaushalt deutlich geringer ist als in einem haustierlosen – mit einer kleinen Einschränkung: Bestehen familiär bedingte allergische Vorbelastungen, sollte die Anschaffung eines Hundes gründlich abgewogen werden. Wissenschaftler fanden nämlich heraus, dass Neugeborene von Allergikern mit größerer Wahrscheinlichkeit an Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen erkranken, wenn sie engen Kontakt mit Hunden haben.

Fitness fürs Immunsystem

Ausgewogene, vitaminreiche Ernährung mit saisonalem Obst und Gemüse

Vor allem die Vitamine C und E sind unverzichtbar. Die Spurenelemente Eisen, Zink und Selen aktivieren viele Enzyme und reduzieren dadurch die Infektionsgefahr.

Nahrungsergänzung mit Vitalstoffen

Bei besonderen Belastungen (Stress, Umbruchsphasen, Erkältungszeiten, Leistungssport) empfiehlt sich die gezielte Nahrungsergänzung durch ein hochwertiges, auf den individuellen Bedarf abgestimmtes Nahrungsergänzungsmittel.

Wasser trinken

Wasser ist die kostengünstigste Medizin. Zwei Liter am Tag regen die Zelltätigkeit an und halten die Schleimhäute feucht. Das wirkt wie eine natürliche Barriere gegen Krankheitserreger.

Bewegung an der frischen Luft

Sauerstoff, Sonnenlicht und Bewegung fördern die Bildung der Fresszellen.

Angemessene sportliche Aktivität

Die Anregung des Kreislaufs durch gemäßigten Sport wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus. Für Menschen ohne Vorerkrankungen bieten sich auch Saunagänge, Kneippsche Anwendungen und Wechselduschen an.

Vermeidung von Giften (Alkohol, Nikotin usw.)

„Genussmittel“ schwächen das Immunsystem. Alkohol setzt etwa die Aktivität der weißen Blutkörperchen herab. Nikotin schwächt die Abwehrkräfte in vielerlei Hinsicht.

Stressbewältigung

Das Hormon Adrenalin hemmt die Antikörperproduktion – Dauerstress ist deshalb schlecht fürs Immunsystem. Entspannungstechniken wie Yoga oder Qi Gong entspannen nach einem stressreichen Tag Körper und Geist.

Ausreichend

Während das Bewusstsein Pause macht, tankt das Immunsystem im Schlaf neue Energie. 8 Stunden benötigt jeder Mensch im Durchschnitt, am besten immer zur gleichen Zeit.

Handhygiene

Händewaschen nach dem Kontakt mit anderen Menschen ist noch immer der beste Schutz vor Ansteckung.

Angepasste Kleidung

Kälte schwächt. Gerade in Übergangszeiten sollte man sich vor kalter Zugluft schützen und darauf achten, dass die Füße nicht auskühlen

Aus: natürlich Gesund, Ausgabe 7/2009
Bild: Shutterstock

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