Hoffnungsanker in Worten
Wurden Prominente in Talkshows oder ähnlichen Sendungen nach ihrem Lebensmotto gefragt, war ich oft über die Antworten erstaunt. Da wurden dann solche Sprüche genannt wie „Schuster, bleib bei Deinem Leisten“ oder „Ohne Fleiß kein Preis“. Und ich merkte: Obwohl ich sie seit Jahrzehnten kannte, war mir keiner dieser Sprüche ans Herz gewachsen. Ich fühlte mich auch so ausreichend gerüstet.
Und doch: Obwohl meine Tage mit zahlreichen Aktivitäten gefüllt waren, fühlte ich mich nicht wirklich erfüllt. Ich bemühte mich zwar um das Gefühl von Friedlichkeit, war aber innerlich unzufrieden. Dabei hatte ich keinen Grund dazu, denn mein Leben war eigentlich gut zu mir. Nur ich war nicht gut zu ihm.
Sich kümmern hilft
Das sollte sich mit dem Besuch bei einer Bekannten ändern. Schön gemalt und eingerahmt fiel mir an ihrer Wohnzimmerwand ins Auge: „Die Wiege knarrt durchs ganze Leben“. Ich war überrascht als sie mir daraufhin erzählte, dass ihr der Satz Hilfestellung leistete. Sie fühle sich durch ihn in der Lage, ihre Ziele immer wieder zu erden. Ein wenig später erzählte mir eine Frau, ihre Mutter habe ein altes Holztäfelchen wie ein Kleinod gehütet. „Sich kümmern hilft“ war eingeritzt. Sogar bei ihrer Ausbombung im Zweiten Weltkrieg und der anschließenden Flucht war sie um dieses Brett besorgt und hielt ihre Kinder dazu an, es nicht zu verlieren. Es schien ihr das einzige Objekt aus ihrem Hausstand zu sein, das es wirklich wert war, gerettet zu werden. „Sich kümmern hilft“ half ihr und damit auch anderen. Mich hat diese Geschichte berührt.
Lebenssinn in Buchstaben
Seit dieser Begegnung empfinde ich ein Bedürfnis, fast eine Sehnsucht nach so einem Wort oder Wörtern, die mich in meinem Wesen erkennen und führen. Ich suche nach einer Weisheit, die mich bei allem Streben den tiefen Sinn des Lebens entdecken lässt. Sprichwörter, die mich berühren, schreibe ich mittlerweile auf und versuche, sie auch zu leben. Viele habe ich schon gefunden, etwa: „Willst Du jemanden reich machen, so musst Du ihm nicht das Gut mehren, sondern die Begierde mindern.“ Mir persönlich eröffnet dieser weise Rat Wege der Zuwendung, die sich von den heute üblichen und auf rein materielle Dinge ausgerichteten unterscheiden.
Folgenden Ausspruch liebe ich besonders: „Der Mensch wird des Wegs geführt, den er wählt.“ Dieser Satz schenkt mir das Gefühl allgegenwärtiger Geborgenheit bei persönlicher Entscheidungsfreiheit. Und ist nicht etwa auch folgender Tipp herrlich befreiend von gesellschaftlichem Leistungsdruck? „Wir können im Leben nicht immer große Dinge tun, aber wir können kleine Dinge mit großer Liebe tun.“ Geradezu eine Offenbarung für mich war auch der Satz: „Dein Leben ist so wie Deine Gedanken.“ Und deshalb mische ich mich nun ständig in mein Denken ein und bin immer wieder überrascht, wie nötig das ist!
Mit Liebe zur Liebe
Zu meinem absoluten Spitzenreiter aber zählt die Antwort einer Oberin auf die Frage, woher sie die Kraft nehme zur ständigen Betreuung ihrer Kranken. Sie sagte aus ihrem Selbstverständnis heraus: „Wem man etwas zuliebe tut, der wird einem lieb!“ So einfach ist das – und es stimmt! Liebe ohne jeglichen Anspruch zu empfinden, lässt Menschen in unseren Herzen wurzeln. Und nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen, um die man sich sorgt. Selbst banale Tätigkeiten wie Bügeln, Schuhe putzen, Spülen und Stopfen werden mir seitdem wieder lieb und mein Herz hängt an jedem so betreuten Stück. Ich nehme mir nun Zeit dafür – und damit Zeit für mich. Ich fühle mich bereichert durch die Hingabe in meinem Tun und kann damit auch andere beschenken. Das Leben wird zwar dadurch nicht leichter, aber es macht Sinn und vor allem frei von Bewertungen und Ansprüchen anderer.
Mein persönliches Fazit: Ich brauche die geistige Stütze weiser Vordenker. Sie beantworten mir Fragen, die das Leben an mich stellt. Auf diese Weise kehrt sich mir das Wesentliche nach außen. Dafür bin ich dankbar, denn meine Kinder kennen fast nur noch sprücheklopfende und leere Phrasen, die ihre Seele nicht erreichen und nichts in ihnen bewegen. Ich bin mir jedoch sicher: Alles hat seine Zeit. Und auch meine Kinder werden sich irgendwann auf die Suche nach Inhalten machen, die ihr Leben erfüllen. Denn: „Wem man etwas zuliebe tut, der wird einem lieb.“ Haben Sie auch so kluge Berater?
Aus: natürlich Gesund, Ausgabe 7/2009
Autor: Barbara Krüger
Bild: Shutterstock
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