natürlich GESUND
Sonntag, 05.02.2012      





So geht alles seinen Gang

Dass nicht gerne über das Endprodukt der Verdauungsorgane gesprochen wird, scheint in der Natur der Sache zu liegen. Von Stuhlverstopfung ist jedoch jeder dritte bis zehnte Erwachsene betroffen, darunter vor allem Frauen. Dr. Reimar Banis berichtet aus seiner Naturheilpraxis, wie man den Verdauungstrakt wieder in Gang bringt.

Die Einnahme von Abführmitteln scheint vielen die letzte Lösung. Den Arzt in diesen unangenehmen Zustand einzuweihen, im Fachjargon Obstipation, ist vielen einfach peinlich. Dazu gesellen sich häufig Gewissensbisse wegen des hohen Konsums an Abführmitteln. Schliesslich will man sein schlechtes Gewissen nicht noch durch ärztliche Ermahnungen vergrössern. Man schweigt also lieber. Von medizinischer Seite sei ohnehin nicht viel auszurichten – so die Meinung vieler Betroffener. Die häufigen Ratschläge, sich mehr zu bewegen, mehr Obst, Gemüse, Ballaststoffe sowie Flüssigkeit zu sich zu nehmen, wurden meist schon befolgt – oft vergeblich. Der erhöhte Konsum von Leinsamen und Kleie führt häufig sogar zu einer Verschlimmerung der Beschwerden.

Beschwerde oder Krankheit?

Laut Schulmedizin handelt es sich bei Stuhlverstopfung um ein reines Beschwerdebild. Anders die Sichtweise von Naturheilkunde und Alternativmedizin. Sie sind der Ansicht, dass gestauter Kot auf Dauer ein gesundheitliches Risiko darstellt. Der Teufelskreis stellt sich in folgender Form dar: Eine aus dem Ungleichgewicht geratene Darmflora (Dysbiose) ruft die Verstopfung hervor, die toxischen Bakterien einer Verstopfung führen wiederum zu einer schleichenden Darmvergiftung (intestinale Toxikose). Kleinste Blutgefässe verkrampfen und der Betroffene fühlt sich müde und schwindelig. Weitere Symptome sind unreine Haut sowie kalte Hände und Füsse.

Seele im Darm

Leib und Seele gehören zusammen – davon berichten nicht nur zahlreiche Sprichwörter. Der amerikanische Neurotranmitter-Forscher Michael Gershons konnte etwa nachweisen, dass ein Grossteil der Hirnhormone im Darm gebildet wird. Diesem Umstand hat der Darm seinen zweiten Namen zu verdanken: „Bauchhirn“. Das heisst konkret: Wird die Bildung von Neurotransmitterstoffen beeinträchtigt, kann ein gestörter Darm auch seelische Auswirkungen haben. Früher noch von Ärzten als „Magen-Darm-Depression“ bezeichnet, wurden dem unter Depressionen leidenden Patienten Einläufe und Abführmittel aus Mineralsalzen (salinische Laxantien) verschrieben. Auch wenn heute diese Vorgehensweise von vielen Schulmedizinern belächelt wird, so scheint sie jedoch angesichts neurobiologischer Forschungsergebnisse durchaus sinnvoll zu sein.

Für eine „leib-seelische“ Sichtweise des Darms spricht auch eine Schlüsselerfahrung, die in der humanistischen Körperpsychotherapie gemacht wurde: Man fand heraus, dass die Darmbewegung entscheidend mit der seelischen Befindlichkeit zusammenhängt. Die norwegische Psychologin Gerda Boyesen spricht hier von „Psychoperistaltik“. Sie stellte beim Abhören des Darms mit dem Stethoskop fest, dass der Darm bei seelisch blockierten Menschen kaum Geräusche von sich gibt. Wurde jedoch eine „seelische Verdauung“ durch eine entsprechende Therapie in Gang gebracht, kam es im Darm auch wieder zu einer gesunden Geräuschkulisse. Dabei bringt folgende Vorgehensweise den Darm wieder auf Trab:

1. Die Einnahme von Abführmitteln einstellen

In meiner naturheilkundlich ausgerichteten Allgemeinpraxis haben sich verschiedene Strategien bewährt, um das Problem der Verstopfung dauerhaft zu beseitigen. Grundsätzlich rate ich zu Beginn zu einer gründlichen gastroenterologischen Abklärung, um keine schulmedizinisch behandelbaren Krankheiten zu übersehen. Anschliessend sollte die Einnahme von Abführmitteln eingestellt werden. Diese sind zu einem guten Teil für den Teufelskreis verantwortlich, der mit einer starken Darmreizung durch die Wirkstoffe beginnt. Der Organismus büsst dadurch Kalium ein, welches für die Funktionsfähigkeit der Darmmuskulatur wichtig ist. Der Kaliummangel macht wiederum immer mehr Abführmittel nötig, damit der Stuhlgang überhaupt weiter funktioniert.

Zur Entwöhnung eignen sich zwei Präparate, die weder zu Kaliummangel führen noch die Schleimhaut reizen. Nützlich ist vor allem Milchzucker. Er setzt die osmotischen Prozesse der Darmzellen wieder in Gang und macht den Stuhl weicher. Täglich sind hierfür ein bis zwei Esslöffel Milchzuckerpulver nötig, etwa mit prosymbiotisch wirkenden Darmkeimen (Bifidus- und Acidophilus-Zusätzen). Gute Präparate sind Eugalan plus 3 oder ProBifido, die in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Einfacher Milchzucker aus der Apotheke (Saccharum lactis) wirkt im Übrigen fast genauso gut. Am besten in Yoghurt oder Müsli einrühren oder mit etwas Wasser einnehmen. Bei hartnäckiger Verstopfung bringen fettsäurehaltige Zäpfchen Erleichterung, etwa Glycilax. Sie wirken osmotisch wie der Milchzucker und haben keine Nebenwirkungen.

Gute Erfahrungen habe ich darüber hinaus auch mit der Colonhydrotherapie gemacht. Die Darmwäsche“ verbessert die Darmtätigkeit, hat nur leider den Nachteil, dass der Patient statt zum eigenverantwortlichen Handeln zur Passivität verführt wird. Meist ziehe ich daher schon aus didaktischen Gründen die Milchzucker-Therapie der Colonhydrotherapie vor. Nur bei sehr hartnäckiger Verstopfung und starkem Reizdarm, etwa bei auftretenden Ekzemen und Erschöpfungszuständen, ziehe ich die Darmwäsche vor.

2. Schritt: Normalisierung der Darmflora

Was ist überhaupt der Auslöser für die schmerzhafte Verstopfung des Darms? Durch eine dauerhaft gestörte Darmflora kann sich der Darm chronisch entzünden. Das schwächt seine Funktionstüchtigkeit und es kommt zu Verstopfungen. Normalisiert sich die Darmflora, kommt auch wieder die Darmtätigkeit in Schwung. Das ist oftmals nur mit fachlicher Unterstützung eines versierten Therapeuten möglich, denn gelegentlich ist die geschwächte Darmschleimhaut auch von hartnäckigem Pilzbefall betroffen, darunter vor allem submuköse Pilze. Für eine dauerhafte Ausheilung benötigen sie im Extremfall systemisch wirkende, chemische Antimykotika. In der Naturheilkunde bewährt sich angeblich auch Grapefruitkernextrakt, jedoch habe ich damit selbst noch keine Erfahrung gemacht.

Möchte der Laie vorerst auf fachlichen Rat verzichten, so kann er sich mit eubiotischen Yoghurtkulturen (Bifidus, Acidophilus) sowie mit milchsauren Getränken und Nahrungsmitteln ( Brottrunk, milchsaures Gemüse, insbesondere milchsaurer Weisskohl, d.h. Sauerkraut ) behelfen. Als Therapeut habe ich gute Erfahrungen gemacht mit Mutaflor und Omniflora. Mein Tipp: Meist reichen wesentlich kleinere und damit deutlich preiswertere Dosen als die vom Hersteller empfohlenen. Ihre Einnahme wirkt nämlich wie eine Impfung, da sich die zugeführten Bakterien im Darm weiter vermehren. Beispielsweise rate ich neben Bifidus-Yoghurt täglich zu einem kleinen Glas Kanne- Brottrunk (gemischt mit Apfelsaft) sowie dreimal wöchentlich zu einer magensaftresistenten Kapsel Mutaflor.

3. Schritt: Emotionale Blockaden lösen

Das Unterbewusstsein spielt bei der Entstehung funktioneller Darmstörungen (Verstopfung, Reizdarm, chronischer Durchfall) eine grosse Rolle. Wie bereits erwähnt, waren Gershons Entdeckung des „Bauchhirns“ sowie Gerda Boyesens Psychoperistaltik dafür von entscheidender Natur.

Die Psychosomatische Energetik, eine Form der von mir entwickelten Psychotherapie mit homöopathischen Komplexmitteln, konnte die Erfahrungen von Frau Boyesen bestätigen. Löst man seelische Blockaden unter Hinzunahme bestimmter homöopathischer Komplexmittel auf, kommt es häufig zu einer anhaltenden Besserung bzw. Heilung der Darmfunktionen. Wie ich dabei konkret vorgehe, erläutere ich anhand eines Patientenfalles:

Patientenfall: Eine 68 jährige Patientin litt seit ihrer Jugend unter Verstopfung, manchmal bis zu einer ganzen Woche. In solchen Fällen griff sie in letzter Verzweiflung zu Abführmittel. Von Internisten wurde sie bereits mehrfach komplett untersucht. Das Ergebnis: keine konkrete Ursache, ausser einigen Ausstülpungen der Darmwände, sogenannte Divertikel. Im Energietest mit einem Reba-Gerät stellte ich hingegen niedrige Vital- und Emotionalwerte von 30 Prozent fest. Normal sind Werte von 100 Prozent. Konkret wies die Patientin im zweiten Energiezentrum einen Konflikt mit dem Thema „Hektik“ auf. Sie bestätigte, dass sie sich trotz äusserlicher Ruhe ständig unruhig und getrieben fühle. Neben Emvita 5 und Chavita 2-Tropfen empfahl ich ihr Milchzucker sowie Glycilax für den Notfall. Im Gegenzug nahm ich ihr das Versprechen ab, zukünftig auf Abführmittel zu verzichten. Im Organtest (Testsatz der Firma Rubimed) sprachen noch die Gallenwege an – ein Befund, den man bei Patienten, die an Stuhlverstopfung leiden, häufiger findet. Ich verordnete ihr dafür Leber-Gallen-Tropfen von Cosmochema. Nach weiteren vier Monaten berichtet die Patientin von einer Besserung, die Verstopfung sei allerdings noch da. Bei der Untersuchung stiess ich auf einen Konflikt im sechsten Energiezentrum mit dem Thema „Anspannung“. Die Diagnosemethode der Darmampulle gab Hinweise auf eine gestörte Darmflora. Ausgleich schaffte hier Mutaflor. Nach erneuter viermonatiger Einnahme von homöopathischen Medikamenten berichtete die Patientin, dass die Verstopfung zum ersten Mal dauerhaft verschwunden sei. Die Nachbeobachtungszeit betrug 24 Monate.

Fazit

Verstopfung ist ein häufiges Leiden, das besondere Beachtung verdient. Der Patient ist in der Regel dankbar, wenn der behandelnde Arzt bzw. Therapeut das Thema von selbst anspricht und konkrete Hilfe anbietet. Darüber hinaus ist eine gesunde Darmflora in der Naturheilkunde elementare Voraussetzung für eine solide Gesundheit und Basis jeder Therapie. Das seelische Befinden des Patienten sollte bei der Behandlung von Obstipation immer mit eingeschlossen werden. Betroffene fühlen sich im Anschluss meist deutlich vitaler und im wahrsten Sinne des Wortes von einer regelrechten Last befreit.

Autor: Dr. med. Reimar Banis
Bilder: Shutterstock
Aus: natürlich Gesund, Ausgabe 3/2010

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